El Questro

Montag, 28. Mai bis Freitag, 1. Juni

Zum Abschluss unserer Gibb River Road-Etappe folgt wiederum die Pentecost River-Überquerung (easy peasy, 30 m breit, nur gut 30 cm tief) und dann der 16 km Abstecher zur El Questro Station. Und da es uns hier vor 9 Jahren so gut gefallen hat, planen wir von Anfang an 3 Nächte ein – und bleiben dann sogar 4. Diesmal jedoch auf dem Campground und nicht in einer Lodge, wie letztes Mal. Wir lieben mittlerweile unseren Camper… 🙂

Die Tage enden jetzt fürchterlich früh. So ist es über 30 Grad, die Sonne noch am Horizont und dann peng, ein paar Minuten nach 5 ist die Sonne weg und es wird dunkel. Oder im Moment zumindest dunkler… Denn wir haben fast Vollmond und zusammen mit der klaren Luft braucht man so selbst beim nächtlichen Gang zum WC-Häuschen keine Stirnlampe mehr :-). Apropos Stirnlampe. Wie erkennst du einen echten Camper? An der Stirnlampe ab 17 Uhr, egal ob draussen, oder in der (beleuchteten) Camp-Küche, dem (ebenfalls beleuchteten) WC, oder sogar im Restaurant (…). Sooo eingefleischte Camper sind wir glücklicherweise noch nicht.

Im El Questro Camp buchen wir eine unpowered Site und finden einen super Platz, einsam unter Bäumen und doch noch rel. nahe (gut 100 m) vom Wasch- und WC-Häuschen. Also kurz wie ein stolzer Kater unser Territorium markieren (jedoch mit Tisch und Stühlen) und wieder raus aus dem Camp, ein paar Kilometer zurück zur Amalia Gorge. Diese haben wir als erstes Ziel gewählt, weil wir sie noch nicht kennen und ihre Erwanderung nur gut 2 Stunden dauern sollte. Nun ja, sie entpuppt sich dann auch als (für uns) nicht der ultimative Brüller. Schön, klar, aber nach allem bereits Gesehenen nichts Spezielles. Und der Pool und Wasserfall zuhinterst ist erst noch viiiel zu kalt (19°)…

Nachfolgend noch ein Suchbild: wo ist das Tier?

Nach 2 Stunden geht’s zurück zur ELQ Station, wo wir gerade rechtzeitig zur Happy Hour und Live Musik mit einer Queenslander Sängerin eintreffen. Tiptop. Die Happy Hour strecken wir später mit einem selbst gebrutzelten Znacht zu einem Happy Evening. Alles ist gut… 🙂

Begrüsst und verabschiedet werden wir bei der Zu- und Wegfahrt von ELQ jeweils von Emil dem Esel:

Um den Dienstag komplett autofrei halten zu können, nehmen wir uns die Wanderung zu den Champagne Springs vor, welche direkt vom Camp aus gestartet werden kann. Zudem ist sie mit angegebenen 5-6 Stunden und Class 5 relativ lang und anstrengend, was auf wenige Leute hoffen lässt. Mit je 3 Liter Wasser im Gepäck marschieren wir direkt von unserem Camper los, sagen beim Vorbeigang Emil guten Tag und sind schon bald völlig alleine. Der Trail führt zuerst entlang des Pentecost Rivers durch üppige Vegetation und wird später immer felsiger und zerklüftet. Nach gut 2 Stunden treffen wir bei den unteren Pools der Champagne Springs ein und treffen dort auch zum ersten Mal auf Leute, ein älteres Ehepaar. Etwas überrascht durch uns schickt der Herr sich sofort an, eine Badehose anzuziehen… Man ist halt wirklich für sich, hier :-). Ausser diesem Ehepaar treffen wir auf der ganzen Tour keine Menschenseele. Die Champagne Springs haben ihren Namen daher, weil in ein paar der vielen einzelnen Pools warmes Wasser und Luftblasen hochblubbern. Diese Pools sind zwar glasklar, jedoch auch ziemlich voller Grünzeugs, so dass sie nicht zum Baden einladen. Aber alle anderen Pools, die sind voll badetauglich und wir geniessen sie! 🙂 Als wir später nach über 6 Stunden erschöpft aber happy ins ELQ Restaurant einkehren resümieren wir: Champagne Springs: super Sache, unbedingt zu empfehlen, wenn man einigermassen gut zu Fuss ist.

Für den Mittwoch haben wir zuerst einmal die Zebedee Springs vorgesehen, die es uns letztes Mal so angetan haben. Zudem muss man diese am Vormittag besuchen, da sie ab Mittag nur noch für die Unsäglichen offen sind. Am Nachmittag geht’s dann wohl in die El Questro Gorge – mal schauen… Wir fahren also die Viertelstunde zu den Zebedee Springs und suhlen uns dann da über eine Stunde in den verschiedenen warmen Pools. Es ist immer noch grandios. Inmitten von Palmen und Farnen glasklare Felsenpools und das Wasser zwischen 32 und 34° warm, je nachdem, wie weit oben beim Austritt des Wassers aus dem Gestein man ist. Der oberste, wärmste Pool ist natürlich mein Favorit :-).

Auf dem Rückweg zum Auto kommt uns dann bereits eine erste Gruppe Unsäglicher entgegen. Und das, obwohl es noch kurz vor Mittag ist und die noch gar nicht dürften, diese Kerle. Beim Hinfahren haben wir bemerkt, dass die Zweitbatterie im Auto durch den Tag Bewegungslosigkeit ziemlich in die Knie geraten ist. Laut Red Sands Handbuch sollte sie möglichst nicht unter einen Ladestand von 75% fallen, unsere hatte am Morgen noch knapp 60%… Also disponieren wir um und fahren weiter zur Emma Gorge, womit wir das Auto immerhin etwa 70 km bewegen.

In der Emma Gorge waren wir noch nie, dabei ist sie doch neben der El Questro Gorge die Hauptattraktion der ELQ Umgebung. Wir stellen als erstes fest, dass beim Eingang zur Schlucht ein ganzes Resort steht. Restaurant, Lodges, Campground, Shop, Airstrip – das volle Programm. Unsere zweite Feststellung ist damit naheliegend: hier hat es viele, ganz viele Leute. Natürlich steht auch schon ein Unsäglichen-Bus auf dem Parkplatz und wir treffen es, genau mit dieser Gruppe zuhinterst in der Schlucht anzukommen. Mit Ruhe und Einsamkeit ist somit nix, aber der Wasserfall und kleine See sind trotzdem sehr schön, wenn auch das Wasser nach meinem Geschmack etwas wärmer sein dürfte. Zum Glück hat es in einem Winklel des Seeleins, hinter ein paar Felsen, zwei kleine Mini-Pools, welche direkt von einer warmen Quelle gespiesen werden. Da kann man sich kurz aufwärmen, bevor man jemand anderem Platz machen muss. Später genehmigen wir uns in der Emma Bar noch einen Drink, bevor wir uns auf den Rückweg ins Camp machen.

In Anbetracht des immer noch nicht überzeugenden Batteriestandes, hängen wir beim ELQ Camp direkt noch eine kleine Ausfahrt an, einen 4WD-Track zum „Branco-Lookout“. Und der Branco, der bringt echten 4WD-Fun. Fluss-Durchquerung über Wassermelonen-grosse Steine und Geröll, tiefe Sandrinnen und zuletzt ziemlich beängstigende Steigungen über Fels und Sand. Wir erreichen den Lookout unmittelbar nach Sonnenuntergang. Branco ist oberhalb einer Schlaufe des Chamberlain Rivers gelegen, in etwa so, wie wenn man vom Rosengarten auf die Aare-Schlaufe um Bern schaut – nur viel grösser und weiter. Auch ELQ Station ist inmitten des grünen Regenwaldes zu erkennen. Wir bleiben nur kurz, denn unser Nachtessen im ELQ Steakhouse wartet um halb sieben. Also zurück über den Track bei völliger Dunkelheit. Spannend 😉

Auf dem Camp wartet noch eine kleine Anfänger-Lektion auf uns: Du darfst eine Melone nicht draussen auf den Campingtisch legen, um sie noch etwas ausreifen zu lassen. Also dürfen tust du schon, du hast aber dann nichts mehr von der Melone…

Unser ursprüngliche Plan sah vor, am Donnerstag unser Lager in El Questro abzubrechen, anschliessend noch kurz die vierstündige El Questro Gorge Wanderung zu machen und dann in Richtung Kununurra weiterzuziehen. Das erscheint uns dann beim Zmorge-Müesli irgendwie fast etwas stressig – und damit unbedingt zu vermeiden. So bleibt es bei der El Questro Gorge, aber mit anschliessender Rückkehr ins ELQ Camp.
Die für die ganze Station namensgebende ELQ Gorge ist zusammen mit der Emma Gorge das Prunkstück der Region. Die Schlucht wird am Eingang von einem Heer von grossen, hohen Livingstone Palmen bewacht. Diese Palmen sowie verschiedenste Farne, Bäume und Gräser begleiten einem dann auch bis ganz zuhinterst in die Schlucht. Dorthin kommt man aber nur, wenn man bereit ist, min. 1½ Stunden zu wandern, klettern und (fast) schwimmen. Auf halbem Weg nach hinten ist ein grösserer Pool, welcher mit dem Gepäck über Kopf etwa brusttief (mit meiner Grösse) durchwatet und dann per Kletterpartie verlassen werden muss. Anschliessend folgen weitere Kletterstellen, die nicht ohne sind. Für 95% aller Besucher ist das zuviel der Mühe, wodurch man hinten bei Pool und Wasserfall üblicherweise fast alleine ist… wäre da nicht wieder die Unsäglichen-Adventure-Gruppe aus der Emma Gorge, welche das gleiche Programm wie wir zu haben scheint. Glücklicherweise sind sie aber gerade im Aufbruch zurück begriffen und auch das junge Schweizer Paar macht sich kurzum aus dem Staub, womit wir die Gorge für uns haben. Es ist herrlich, hier.

Die nahegelegene Moonshine Gorge besuchen wir auf der Rückfahrt zum Camp auch noch kurz, jedoch ohne eine Wanderung zu machen. Dafür verpassen wir wieder einmal im ersten Anlauf die Abzweigung dazu, so dass ich im Total 4 Mal in den Genuss der Durchquerung des El Questro Rivers komme. Diese Querung ist nicht die längste, aber die tiefste unserer ganzen Reise. Aktuell kommt einem das Wasser bis etwas über die untere Türkante, also etwa 60 cm tief. 🙂

Wie jeden Nami beim Heimkehren auf die El Questro Station, sehen wir auf der Wiese direkt bei der Station ein oder mehrere Kängurus. Spannend ist, dass sich diese von den vorbeifahrenden Autos überhaupt nicht stören lassen. Hält man aber an oder steigt gar aus, nehmen sie Reissaus, das mögen sie gar nicht.

Am Abend gibts im Restaurant feine Pizzas vom Outdoor-Ofen. Das rundet den Tag und unseren ganzen ELQ-Aufenthalt gebührend ab.

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